Kinderwunsch ab 40: Wie sind meine Chancen, um Schwanger zu werden?
Ein Kinderwunsch mit 40, 41, 42 oder 43 Jahren ist heute keine Seltenheit. Viele Frauen beschäftigen sich erst in dieser Lebensphase intensiver mit der Familienplanung – und treffen dabei schnell auf pauschale Aussagen über sinkende Fruchtbarkeit, AMH-Werte oder die Erfolgsaussichten einer künstlichen Befruchtung.
Tatsächlich verändert sich die weibliche Fruchtbarkeit mit zunehmendem Alter deutlich. Das Alter allein beantwortet aber noch nicht alle Fragen.
Entscheidend ist vielmehr, die persönliche Ausgangssituation möglichst früh zu kennen: Findet regelmäßig ein Eisprung statt? Wie groß ist die noch vorhandene Eierstockreserve? Sind Gebärmutter und Eileiter unauffällig? Gibt es Hinweise auf Endometriose oder andere Erkrankungen? Und wie ist die Fruchtbarkeit des Partners?
Warum verändert sich die Fruchtbarkeit ab 40?
Die weibliche Fruchtbarkeit nimmt nicht plötzlich mit dem 40. Geburtstag ab. Es handelt sich um einen biologischen Prozess, der bereits früher beginnt und sich mit zunehmendem Alter verstärkt.
Die Zahl der verfügbaren Eizellen nimmt ab. Frauen verfügen bereits bei ihrer Geburt über ihren späteren Vorrat an Eizellen. Dieser Vorrat wird im Laufe des Lebens kontinuierlich kleiner.
Auch die Wahrscheinlichkeit chromosomal unauffälliger Eizellen sinkt. Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil von Eizellen mit Veränderungen der Chromosomenverteilung. Dadurch sinkt statistisch die Wahrscheinlichkeit, dass eine Befruchtung zu einer intakten Schwangerschaft und schließlich zur Geburt eines Kindes führt.
Deshalb sollten Eizellmenge und Eizellqualität nicht miteinander verwechselt werden. Eine Frau kann mit 41 oder 42 Jahren beispielsweise noch über eine vergleichsweise gute Eierstockreserve verfügen. Das bedeutet aber nicht, dass ihre Eizellen biologisch den Eizellen einer deutlich jüngeren Frau entsprechen.
Umgekehrt bedeutet eine geringe Eierstockreserve nicht automatisch, dass eine natürliche Schwangerschaft ausgeschlossen ist. Das Alter bleibt deshalb einer der wichtigsten Faktoren bei der Einschätzung der Fruchtbarkeit.
AMH-Wert ab 40: Was sagt er wirklich über meine Fruchtbarkeit aus?
Viele Frauen kommen mit einer ganz konkreten Frage in die Kinderwunschsprechstunde:
„Mein AMH-Wert ist niedrig – kann ich trotzdem schwanger werden?“
Grundsätzlich lautet die Antwort: Ja, ein niedriger AMH-Wert schließt eine Schwangerschaft nicht aus.
AMH steht für Anti-Müller-Hormon. Der Wert wird vor allem genutzt, um die sogenannte ovarielle Reserve, also die noch vorhandene Follikelreserve der Eierstöcke, einzuschätzen. Er hilft unter anderem bei der Frage, wie die Eierstöcke voraussichtlich auf eine hormonelle Stimulation reagieren könnten.
Was der AMH-Wert dagegen nicht zuverlässig messen kann, ist die Qualität einer einzelnen Eizelle. Auch die Wahrscheinlichkeit einer spontanen Schwangerschaft lässt sich aus dem AMH-Wert allein nicht ablesen.
Deshalb kann beispielsweise eine 42-jährige Frau mit relativ hohem AMH-Wert andere Erfolgsaussichten haben als eine 32-jährige Frau mit demselben Wert. Und auch das Gegenteil gilt: Ein niedriger AMH-Wert bedeutet nicht automatisch, dass keine Schwangerschaft mehr möglich ist.
Warum sollte AMH nie allein beurteilt werden?
Für eine sinnvolle Einschätzung der Eierstockfunktion werden mehrere Informationen zusammengeführt. Dazu können beispielsweise gehören:
- Alter
- AMH-Wert
- Anzahl und Erscheinungsbild der antralen Follikel im Ultraschall
- Zyklusverlauf und Eisprung
- weitere Hormonwerte
- bisherige Schwangerschaften oder Fehlgeburten
- vorherige Kinderwunschbehandlungen
Die KINDERWUNSCH-ÄRZTE BERLIN führen Hormonuntersuchungen im eigenen Hormonlabor durch und kombinieren diese mit gynäkologischer Untersuchung und Ultraschalldiagnostik. Mehr zur Diagnostik
Ein Laborwert sollte deshalb nie isoliert darüber entscheiden, ob eine Behandlung sinnvoll erscheint oder nicht.
Welche Untersuchungen sind bei Kinderwunsch ab 40 besonders sinnvoll?
Mit zunehmendem Alter bekommt die zeitnahe und strukturierte Diagnostik eine größere Bedeutung. Gerade ab 40 sollte möglichst vermieden werden, einzelne Ursachen nacheinander über viele Monate auszuschließen.
Die aktuelle deutsche S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie vor einer assistierten reproduktionsmedizinischen Behandlung stellt deshalb eine strukturierte Paardiagnostik bei unerfülltem Kinderwunsch in den Mittelpunkt.
Hormonstatus und Zyklus
Hormonuntersuchungen können Hinweise darauf geben, ob der Zyklus und die Eizellreifung regelgerecht ablaufen. Neben den Sexualhormonen können abhängig von der individuellen Situation auch weitere Hormonsysteme eine Rolle spielen.
Ultraschall und Eierstockreserve
Im vaginalen Ultraschall können unter anderem Gebärmutter und Eierstöcke beurteilt werden. Gleichzeitig lässt sich die Zahl der sichtbaren kleinen Follikel – der sogenannte antrale Follikelcount – erfassen. Zusammen mit dem AMH-Wert entsteht so ein wesentlich aussagekräftigeres Bild der Eierstockreserve als durch einen einzelnen Laborwert.
Sind die Eileiter durchgängig?
Für eine natürliche Schwangerschaft müssen Ei- und Samenzelle aufeinandertreffen können. Deshalb kann abhängig von der Vorgeschichte auch eine Untersuchung der Eileiter sinnvoll sein. Die KINDERWUNSCH-ÄRZTE BERLIN bieten die Eileiterabklärung mittels Ultraschall beziehungsweise bei entsprechender Indikation auch operative Verfahren an.
Spermiogramm des Partners
Eine strukturierte Kinderwunschdiagnostik sollte die männliche Fruchtbarkeit von Anfang an berücksichtigen. Ein Spermiogramm untersucht unter anderem Konzentration, Beweglichkeit und Form der Spermien. Die Berliner Praxis führt Spermiogramme nach WHO-Kriterien durch.
Das ist gerade ab 40 wichtig: Wenn Zeit einen zunehmenden Einfluss auf die Erfolgsaussichten hat, sollten mögliche männliche und weibliche Ursachen möglichst parallel statt nacheinander untersucht werden.
Kann ich mit 40, 41, 42 oder 43 noch natürlich schwanger werden?
Ja. Auch mit über 40 kann eine natürliche Schwangerschaft entstehen.
Es gibt keinen festen Geburtstag, ab dem eine spontane Schwangerschaft biologisch unmöglich wäre. Die Wahrscheinlichkeit nimmt jedoch mit zunehmendem Alter ab. Deshalb sollte man zwei Fragen unterscheiden:
- „Kann ich noch schwanger werden?“
- „Wie hoch ist meine persönliche Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden?“
Auf die erste Frage kann auch mit 40, 41, 42 oder 43 häufig mit Ja geantwortet werden. Die zweite Frage lässt sich wesentlich schwieriger beantworten.
Eine 41-jährige Frau mit regelmäßigem Eisprung, durchgängigen Eileitern und unauffälligem Spermiogramm befindet sich beispielsweise in einer anderen Ausgangslage als eine gleichaltrige Frau mit Endometriose, stark eingeschränkter Eierstockreserve oder einem zusätzlichen männlichen Fertilitätsfaktor.
Deshalb gibt es keine seriöse Prozentzahl, die jeder Frau mit 41 oder 42 Jahren ihre persönliche Chance auf eine natürliche Schwangerschaft vorhersagen kann.
Ein regelmäßiger Zyklus allein ist ebenfalls kein Beweis für eine uneingeschränkte Fruchtbarkeit. Er kann zeigen, dass weiterhin eine regelmäßige Zyklusaktivität besteht, sagt jedoch nur begrenzt etwas über die Zahl und insbesondere die chromosomale Qualität der vorhandenen Eizellen aus.
Kinderwunsch mit 41, 42 oder 43: Warum jedes Jahr eine Rolle spielt
Gerade zwischen Anfang und Mitte 40 lohnt es sich, das Alter nicht einfach unter dem Begriff „über 40“ zusammenzufassen. Wie deutlich sich die statistischen Chancen von Lebensjahr zu Lebensjahr verändern können, zeigen Daten des Deutschen IVF-Registers.
Für IVF- und ICSI-Frischzyklen wurden folgende Ergebnisse pro erfolgtem Embryotransfer dokumentiert:
|
Alter der Frau |
Klinische Schwangerschaft pro Embryotransfer |
Geburten pro Embryotransfer |
|
40 Jahre |
23,1 % |
ca. 13,8 % |
|
41 Jahre |
20,3 % |
ca. 10,4 % |
|
42 Jahre |
15,4 % |
ca. 7,7 % |
|
43 Jahre |
12,0 % |
ca. 4,3 % |
Einordnung: Diese Zahlen beschreiben IVF-/ICSI-Behandlungen in Frischzyklen und dürfen nicht als Wahrscheinlichkeit einer natürlichen Schwangerschaft verstanden werden. Sie zeigen jedoch, dass sich die statistischen Behandlungsergebnisse auch innerhalb der Altersgruppe „über 40“ von Lebensjahr zu Lebensjahr deutlich verändern.
Das Deutsche IVF-Register dokumentiert außerdem eine mit dem Alter steigende Fehlgeburtenrate. Für Frauen mit Kinderwunsch bedeutet das nicht, dass eine Schwangerschaft mit 42 oder 43 aussichtslos wäre. Es bedeutet vielmehr, dass eine fundierte Einschätzung und gegebenenfalls Behandlung nicht unnötig aufgeschoben werden sollte.
Wann sind IVF oder ICSI ab 40 sinnvoll?
Das Alter allein ist keine automatische Indikation für eine IVF oder ICSI. Eine Kinderwunschbehandlung sollte sich danach richten, welches Hindernis einer Schwangerschaft tatsächlich entgegensteht und welche Behandlung unter den individuellen Voraussetzungen sinnvoll erscheint.
IVF: Nach einer hormonellen Stimulation werden Eizellen entnommen und außerhalb des Körpers mit den Spermien zusammengebracht.
ICSI: Ein einzelnes Spermium wird direkt in die Eizelle eingebracht. Dieses Verfahren kann insbesondere bei bestimmten Einschränkungen der männlichen Fruchtbarkeit sinnvoll sein.
Eine ICSI ist deshalb nicht einfach eine „intensivere IVF“, die aufgrund des höheren Alters automatisch bessere Ergebnisse liefert.
Auch eine IVF kann den biologischen Alterungsprozess der eigenen Eizellen nicht rückgängig machen. Das Ziel einer Behandlung besteht daher nicht darin, das Alter therapeutisch „auszugleichen“. Vielmehr geht es darum, die vorhandenen Voraussetzungen möglichst sinnvoll zu nutzen und andere Hindernisse für eine Schwangerschaft zu erkennen beziehungsweise zu umgehen.
Zum Behandlungsspektrum der KINDERWUNSCH-ÄRZTE BERLIN
Weniger Eizellen – ist immer eine maximale Stimulation notwendig?
Nicht unbedingt. Bei Frauen mit einer niedrigen Fertilitätsreserve ist die Frage besonders relevant, wie stark eine hormonelle Stimulation überhaupt sinnvoll ist.
Wenn nur wenige Follikel auf eine Stimulation reagieren können, führt eine immer höhere Medikamentendosis nicht zwangsläufig zu entsprechend mehr Eizellen. Hier können – abhängig von der individuellen Situation – unterschiedliche Stimulationskonzepte diskutiert werden.
Die KINDERWUNSCH-ÄRZTE BERLIN führen in ihrem Behandlungsspektrum beispielsweise auch eine Mini-IVF für Patientinnen mit niedriger Fertilitätsreserve auf. Das bedeutet jedoch nicht, dass eine Mini-IVF grundsätzlich die bessere Behandlung für Frauen über 40 ist.
Entscheidend sind unter anderem Eierstockreserve, vorherige Reaktion auf Stimulationen, Zyklus, bisherige Behandlungen und das individuelle Therapieziel.
Was lässt sich bei Kinderwunsch ab 40 beeinflussen – und was nicht?
Eine realistische Beratung sollte beides klar benennen.
Nicht rückgängig machen lässt sich das biologische Alter der eigenen Eizellen. Auch Nahrungsergänzungsmittel, besondere Ernährungsformen oder eine besonders hohe Medikamentendosis können die altersbedingten Veränderungen der Eizellen nicht einfach aufheben.
Sehr wohl beeinflussen lässt sich aber, wie zielgerichtet mit der vorhandenen Zeit und den vorhandenen Voraussetzungen umgegangen wird.
- mögliche Ursachen früh erkennen
- weibliche und männliche Faktoren parallel untersuchen
- unnötige Wartezeiten vermeiden
- die Stimulationsstrategie an die Eierstockreserve anpassen
- die geeignete Befruchtungsmethode auswählen
- Begleiterkrankungen wie Endometriose oder hormonelle Störungen berücksichtigen
Das ist gerade bei einem Kinderwunsch mit 40 oder darüber häufig wichtiger als die Suche nach einem einzelnen vermeintlich entscheidenden Laborwert.
Wann sollte ich mit über 40 ein Kinderwunschzentrum aufsuchen?
Bei Frauen unter 35 wird üblicherweise zunächst eine längere Phase mit regelmäßigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr abgewartet, bevor eine Kinderwunschdiagnostik begonnen wird. Mit zunehmendem Alter verkürzt sich dieser Zeitraum.
Die American Society for Reproductive Medicine empfiehlt bei Frauen ab 35 Jahren eine Abklärung nach sechs Monaten erfolgloser Versuche. Bei Frauen über 40 kann eine unmittelbarere Abklärung und gegebenenfalls Behandlung sinnvoll sein. Das bedeutet nicht: „Mit 40 muss sofort eine IVF durchgeführt werden.“ Es bedeutet: „Mit 40 sollte möglichst früh bekannt sein, wie die persönliche Ausgangssituation aussieht.“
Eine Untersuchung kann zeigen, dass weitere natürliche Versuche medizinisch vertretbar erscheinen. Sie kann aber ebenso Faktoren aufdecken, bei denen längeres Abwarten die ohnehin begrenzte reproduktive Zeit unnötig verkürzen würde.
Kinderwunsch ab 40 in Berlin: erst verstehen, dann entscheiden
Alter, AMH-Wert und Eierstockreserve liefern wichtige Informationen. Keiner dieser Faktoren sollte jedoch für sich allein darüber entscheiden, welcher Weg bei einem Kinderwunsch sinnvoll ist.
Gerade mit 40, 41, 42 oder 43 Jahren ist eine strukturierte Diagnostik deshalb besonders wertvoll.
Bei den KINDERWUNSCH-ÄRZTEN BERLIN in Berlin-Zehlendorf können die notwendigen Untersuchungen und möglichen nächsten Schritte gemeinsam besprochen werden. Zum diagnostischen Angebot gehören unter anderem Hormonuntersuchungen im eigenen Hormonlabor, Ultraschalldiagnostik, Eileiterdiagnostik sowie die Untersuchung der männlichen Fruchtbarkeit. Zum Behandlungsspektrum zählen je nach Befund unter anderem Zyklusbehandlung, Insemination, IVF, ICSI und unterschiedliche Stimulationskonzepte.
Sie haben einen Kinderwunsch mit 40, 41, 42 oder 43 Jahren?
Lassen Sie Ihre persönliche Ausgangssituation frühzeitig untersuchen. So lässt sich besser einschätzen, ob weitere natürliche Versuche sinnvoll erscheinen oder welche Form der Kinderwunschbehandlung zu Ihren Voraussetzungen passen könnte.
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